29.01.2019

„Wir wollen alle Potenziale ausschöpfen“

„Es war ein unheimlich spannendes halbes Jahr.“ Das sagt die neue Leiterin des Gymnasiums der Mariannhiller Missionare über ihren Start im Amt. Im BZ-Interview erklärt sie, wie sie die Schule in Zukunft weiterentwickeln möchte.

Artikel aus der Borkener Zeitung vom 26. Januar 2019:

 

MARIA VEEN. Seit Beginn des Schuljahres leitet Sigrid Kliem das Gymnasium der Mariannhiller Missionare in Maria Veen. Die 56-Jährige hatte das Amt von Johannes Alings übernommen, der im Sommer in den Ruhestand ging. Im Interview mit BZ-Redakteur Tim Schulze spricht Sigrid Kliem über ihre Erfahrungen zum Start und ihre Pläne zur Weiterentwicklung der Schule.

 

BZ: Frau Kliem, haben Sie sich gut in den Schulalltag eingefunden?

Kliem: Oh ja, der Übergang ist gelungen und reibungslos verlaufen, weil mich mein Vorgänger schon früh mit einbezogen hatte. Dadurch gewann ich einen ersten Einblick in die anstehenden Schwerpunkte der Weiterentwicklung der Schule. Es hatte im Vorfeld intensive Kontakte mit den Lehrern sowie den Schüler- und Elternvertretern gegeben, so dass schnell eine Vertrauensbasis entstand. Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein.

BZ: Wie haben Sie das erste Halbjahr als neue Schulleiterin erlebt?

Kliem: Zunächst einmal war es ein unheimlich spannendes halbes Jahr, in dem sich schon einiges getan hat. Es gab eine ganze Menge an Sitzungen und Konferenzen. Wir haben einen dynamischen Prozess zur Weiterentwicklung der Schule angestoßen, in den sich alle einbringen wollen. Ein Höhepunkt war auch unser Schulfest im September mit einer lebendigen und kreativen Atmosphäre.

BZ: Wie sieht diese Weiterentwicklung konkret aus? Und welche Ziele verfolgen Sie?

Kliem: Wir wollen alle Potenziale der Schule ausschöpfen. Es geht darum, ein pädagogisches Gesamtkonzept zu entwickeln. Dieses enthält sowohl kurz- als auch mittel- und langfristige Ziele. Vor allem wollen wir mit einem einheitlichen Konzept eine Basis schaffen, die für alle Beteiligten verlässlich ist. Ein Ziel ist es etwa, einen gesicherten Ablauf bei Verstößen gegen die Schulordnung zu haben.

Wir haben inzwischen schon eine ganze Reihe an Projekten auf den Weg gebracht, die wir in Workshops bei einem pädagogischen Tag erarbeitet haben. Sowohl die Lehrer als auch Eltern- und Schülervertreter machen mit. Im Februar gibt es erneut einen pädagogischen Tag, an dem die Arbeit fortgeführt wird.

BZ: Können Sie Beispiele für einzelne Projekte nennen?

Kliem: Zum Beispiel bilden wir vier Achtklässler jetzt zu Medienscouts aus. Sie sollen zu Social-Media-Detektiven werden, die Cybermobbing aufdecken. Wenn sie in sozialen Medien darauf aufmerksam werden, dass jemand gemobbt wird, können sie mit Erlaubnis des gemobbten Schülers einen Screenshot machen und diesen an die entsprechende Stelle weiterleiten. Diese Initiative organisieren wir in Zusammenarbeit mit dem Jugendbeauftragten der Kreispolizei, Ulrich Kolks.

BZ: Gibt es noch weitere Beispiele?

Kliem: Das Medienscout-Projekt ist eingebettet in ein umfassendes Anti-Mobbing-Konzept, das wir etablieren. Es geht darum, die Persönlichkeiten der Schüler von der fünften Klasse bis zur Oberstufe zu stärken. Starke Persönlichkeiten sind die beste Prävention gegen Mobbing. Zu dem Konzept gehört auch, über Gefahren in digitalen Medien und Versuchungen des Lebens wie Alkohol und Drogen aufzuklären.

BZ: Wann wird das Gesamtkonzept umgesetzt sein?

Kliem: Wir sind ja schon dabei, Dinge umzusetzen. Das Konzept wird also sukzessive in Kraft treten. Bis die Arbeit abgeschlossen ist, werden aber sicherlich zwei bis drei oder vielleicht auch vier Jahre vergehen.

BZ: Gibt es Unterschiede zwischen Ihrer jetzigen Arbeit und Ihrer Arbeit an anderen Schulen?

Kliem: Ja. Denn im Vergleich zu einer öffentlichen Schule haben wir vielfältigere Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich des Leitungshandelns, die allen zugutekommen. Wir können bei der Einstellung von neuen Lehrern und Schülern flexibler sein. Schulen in privater Trägerschaft dürfen dabei von zeitlichen Vorgaben des Landesschulministeriums abweichen, indem sie offene Lehrerstellen sofort und nicht erst ab dem festgelegten Termin für die Auswahlgespräche besetzen können. Außerdem dürfen Schulen in privater Trägerschaft ihre Schüler-Anmeldungen vor dem festgelegten Termin durchführen.

BZ: Wie wirkt sich der Standort mit dem benachbarten Kloster aus?

Kliem: Durch die Präsenz und damit auch direkte Ansprechbarkeit der Missionare hier im Haus können Planungen und Entscheidungen persönlich besprochen und sofort umgesetzt werden. Diese Nähe zum Schulträger ist für die Weiterentwicklung der Schule von großem Vorteil. Ich bin aber auch der Gemeinde Reken dankbar, die sich für unsere Schule einsetzt.

 

Text und Fotos: Tim Schulze, Borkener Zeitung (Quelle)


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