09.11.2012

Schülerbericht: Ein Wochenende bei der Marine in Kiel

von Philip Koch: Erlebnisse zwischen Soldaten, Kameras und Notizblöcken

Kiel. Gemeinsam mit 124 anderen Redakteuren von Schüler-, Jugend- und Studentenzeitungen nahm unser Schüler der Q2, Philip Koch (19), an einem Workshop der „Young Leaders GmbH“ in Kiel teil, bei dem er seine journalistischen Fähigkeiten in Sachen Recherche und Interview, aber auch bei der Erstellung eines Fernsehbeitrags, erweitern konnte.

Bevor mir mein ehemaliger Klassenlehrer Herr Hoppe einen Flyer zu dem Wochenendworkshop in Kiel in die Hand drückte, hatte ich noch nie etwas von den „Young Leaders“ gehört. Später erfuhr ich von einer bereits erfahrenen Teilnehmerin, dass diese Organisation weltweit Treffen veranstaltet. Dazu zählen z.B. Philosophieakademie in Prag, Radioworkshops in Berlin oder Debattierkongresse in Brüssel in Zusammenarbeit mit Spitzenmanagern, Hochschullehrern und Politikern.

Das Thema des Kieler Workshops interessierte mich, denn im Flyer hieß es: „124. Jugend Presse Kongress – Arbeiten zusammen mit Profijournalisten“. Sogar die Zugfahrt nach Kiel sponserte der Veranstalter, also war für mich klar: „Da muss ich hin“! Nach der Anmeldung bekam ich eine Zusage und am folgenden Freitag machte ich mich samt zugesandtem Zugticket von Dorsten über Essen und Hamburg auf den Weg nach Kiel.

Als ich gegen 21 Uhr am Kieler Hauptbahnhof eintraf stieg ich in den Bus zu unserer Unterkunft. Ziel war der Marinestützpunkt, denn das Bundesministerium für Verteidigung richtete das Treffen als Hauptsponsor aus. Daher sollte es sich bei der journalistische Arbeit inhaltlich um die Marine drehen.

Auf der Fahrt waren weitere Teilnehmer leicht zu erkennen, alle hatten eine Reisetasche oder Koffer dabei und studierten angestrengt den Fahrplan. Schnell kam ich mit einigen von ihnen ins Gespräch und uns fielen gleich viele gemeinsame Interessen auf. Natürlich waren alle aufgrund ihrer Affinität zum Journalismus mit von der Partie. Darüber hinaus jedoch, hatten viele, wie auch ich, die Leistungskurse Deutsch und Geschichte gewählt und engagierten sich entweder in der Schülervertretung oder Schülerzeitung.

Auf dem bewachten Gelände des Marinestützpunktes wurden wir jeweils in die Gruppen PR-Zeitung, Online-Magazin und Kongressfernsehen eingeteilt. Ich war Mitglied der Fernsehgruppe 1 und wurde mit einem ebenfalls 19-Jährigen aus Halle in ein Doppelzimmer einquartiert. Nach dem Abendessen und der Begrüßungsansprache des Organisationschefs Reinhard Werner begaben wir uns auf unsere Zimmer.

Am nächsten Morgen versammelte sich meine Gruppe nach dem Frühstück in einem Kongressraum. Dort begrüßten uns zwei Teamer, ehemaligen Teilnehmer bei „Young Leaders“. Später stellte sich der für uns zuständige Redakteur des SWR 3, Andreas Hain aus Baden-Baden vor. Da unser Fernsehbeitrag bereits am Abend vorgestellt werden sollte, unterteilte Hain unsere Gruppe in Einleitungs-, Interview und Moderationsteam und wir begannen mit dem Brainstorming.

Die Aufgabe meiner Gruppe war es, einige Teilnehmer des Kongresses vorzustellen und ihre Erwartungen darzustellen, um unseren Beitrag einzuleiten sollten. Zusammen mit zwei weiteren Gruppenmitgliedern war ich außerdem auserkoren den ausgearbeiteten Satz kurz und prägnant in die Kamera zu sprechen.

Um 11 Uhr hielt Diplom-Psychologe Reinhard Werner einen Vortrag zum Thema „Zukunftsstrategien für das 21. Jahrhundert“, in dem er anschaulich die Probleme und die mögliche Lösungen aus heutiger Sicht darlegte.

Leider fiel das gemeinsame Mittagessen für meine Gruppe und mich aus. Andreas Hain rief uns zusammen, um unseren Beitrag aufzuzeichnen. Auf dem Balkon des Kongressgebäudes machte sich das Kamerateam des ARD-Hauptstadtstudios, das eigens für das Wochenende angereist war, bereit. Obwohl mein Text klar war, verpatzte ich vor lauter Aufregung die ersten beiden Aufnahmeversuche. Allmählich wurde der Kameramann ungeduldig, doch nach dem dritten Versuch hatten wir die Aufnahme im Kasten.

Im Anschluss versammelten sich alle 125 Teilnehmer gemeinsam auf dem Balkon, um einer Demonstration der Aufgabenfelder der Marine beizuwohnen. Kampftaucher wurden aus einem Helikopter ins Wasser abgesetzt und wieder eingesammelt, Fallschirmspringer hissten am Himmel die deutsche Flagge und Soldaten sicherten ein vermeintliches Piratenschiff. Zwei Mitglieder des Online-Teams durften sogar mit einem Speedboat über die Ostsee jagen.

Zur Erläuterung der Übungsteile bei der Marine standen Oberst Peter Beeger und Flottillenadmiral Thomas Jugel, der das Einsatzkommando über die Flotte der Vereinten Nationen vor Somalia hatte, für Interviews zur Verfügung und stellten sich persönlich vor.

Während der abschließenden Medienbörse, bei der sich andere Vertreter der Marine vorstellten, konnten weitere Fragen zu Karrierechancen und Ausbildungsverlauf gestellt werden. Ich hatte mit meiner Gruppe jedoch nichts weiter zu tun, also versuchte uns ein Teilnehmer aus Oberbayern vergeblich mit seinem lustigen Dialekt das Kartenspiel „Schafkopf“ beizubringen. So waren wir zwar nicht produktiv, hatten aber zumindest etwas zu lachen.

Abends präsentierten meine Gruppe und ich unseren Fernsehbeitrag. Ich war beeindruckt wie gut der Film geworden war. Durch eine tolle Kameraführung, passende Schnitte und eine musikalische Untermalung des Ganzen wurde ein professioneller Imagefilm geschaffen. Für meinen Geschmack etwas zu professionell, wenn man bedenkt, dass Profijournalist Andreas Hain oft auf unsere Ideen eingewirkt hat und der gesamte Film von einem ARD-Fernsehteam gedreht und einem professionelle Cutter geschnitten wurde. Natürlich muss man berücksichtigen, dass die Zeit für die Erstellung sehr knapp war und wir den Beitrag in Eigenregie wohl nicht rechtzeitig fertig bekommen hätten.

Ein Highlight war jedoch der Presseabend auf dem Schiff „MS Heikendorf“. Unter Deck war ein reichhaltiges Buffet aufgebaut und wir ließen gemeinsam auf dem Oberdeck den lauen Abend ausklingen.

Am Sonntag, der zugleich Abreisetag war, räumten wir die Zimmer und fanden uns nach dem Frühstück im großen Saal zusammen, um uns die Ergebnisse der anderen Gruppen anzusehen. Mit der Fragerunde zum Thema „Wie werde ich Journalist?“ folgte ein ebenfalls sehr interessanter Teil der Veranstaltung. Wie Andreas Hain schilderte, sei der Weg zum Journalismus durchaus unterschiedlich. Man könne eine Journalistenschule besuchen, zuerst ein verwandtes Medienfach studieren oder zuerst in eine ganz andere sparte einsteigen und später als Quereinsteiger zum Schreiben kommen. Allerdings sei die kontinuierliche freie Mitarbeit bei einer Zeitung, einem Magazin oder Radiosender von Bedeutung.

Insgesamt hat mir dieses Kieler Wochenende sehr gut gefallen. Ich konnte viele neue Leute kennen lernen, gleichzeitig meine journalistischen Fähigkeiten verbessern und mich außerdem über die Aufgaben der Marine informieren.

Philip Koch


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